Im alten Island begann das Jahr nicht im Frühling. Es begann mit dem Winter, an einem Samstag Ende Oktober. Der erste Monat hieß Gormánuður, Schlachtmonat. Wer heute nordische Namen für ein Winterkind sucht, findet lange Listen. Viele sagen „nordisch“ und meinen „klingt schön“.
Namen, die Schnee und Frost heißen
Snær heißt Schnee. In den Sagas ist er ein König, der alte Snær, Sohn des Frosti. Frost zeugt Schnee. Seine Kinder tragen Namen, die den Schnee in Formen zerlegen: Þorri, der gefrorene Schnee. Fönn, die Verwehung. Drífa, der Schneefall. Mjöll, der Pulverschnee. Vanlandi, ein König der Ynglinga saga, heiratet Drífa.
Zwei dieser Namen leben in Island weiter. 135 Frauen tragen Drífa als Hauptnamen, bei Mjöll sind es 21 (dazu 528 als Zweitnamen). Frosti ist dort offiziell zugelassen, 142 Männer führen ihn als Hauptnamen. In der Völuspá ist Frosti übrigens ein Zwerg.
Weiter östlich heißt Schnee lumi und Winter talvi. Beides sind finnische Mädchennamen und kein Wikingererbe. Lumi tragen in Finnland rund 4.600 Menschen, fast alle Frauen. Talvi ist mit etwa 108 Trägerinnen und Trägern deutlich seltener. Nordisch im geografischen Sinn, nicht im altnordischen.
Auch Eira bedeutet Schnee, allerdings auf Walisisch. Eine Verbindung zur Göttin Eir, der Heilerin der Asen, ist nicht belegt.
Wenn hinter dem Namen eine Winterfigur steht
Skaði ist die Göttin des Winters, der Berge und der Ski. Ihr Name trägt keinen Schnee. Das Wort skaði bedeutet Schaden, Verlust. Ob die Göttin danach heißt, ist nicht sicher, erwogen wird auch ein Zusammenhang mit dem alten Namen Skandinaviens.
Skaði wohnt in Þrymheimr, dem Bergsitz ihres Vaters, so steht es in den Grímnismál. Der Vater, der Riese Þjazi, starb in Asgard. Skaði zog bewaffnet hin, um ihn zu rächen. Die Götter boten Sühne: Sie durfte sich einen Mann wählen, aber nur nach den Füßen. Sie wählte die schönsten Füße und hoffte auf Baldr. Es war Njörðr. Loki brachte sie zum Lachen, und Odin machte aus den Augen ihres Vaters Sterne.
Als Vorname ist Skaði selten. In Island ist er seit Dezember 2015 offiziell zugelassen, drei Menschen führen ihn als Hauptnamen. Skadi gibt es auch in Schweden, mit drei Trägerinnen.
Ullr ist der Gott der Ski, des Bogens und des Schildes. Sein Name bedeutet nicht Winter. Er geht auf ein urgermanisches Wort für Ruhm zurück. Ullr ist der Sohn der Sif und damit Thors Stiefsohn, so berichtet es die Gylfaginning. Als Vorname gibt es Ull in Schweden und Dänemark, aber nur vereinzelt.
Ob man einem Kind den Namen eines Gottes gibt, ist eine eigene Frage. Wir haben sie unter Götternamen und die Frage nach der Aneignung gestellt.
Nordisch klingt nicht automatisch nach Winter
Manche Listen setzen Björn, Varg, Svala und Yrsa unter „Winter“. Mit der kalten Jahreszeit haben sie nichts zu tun.
Björn heißt Bär. Varg heißt Wolf, eine norwegische Form von vargr. In der Wendung vargr í véum, der Wolf im Heiligtum, hieß so, wer an heiliger Stätte ein Verbrechen beging und für verflucht erklärt wurde. Svala heißt Schwalbe, ein Vogel, der im Winter nicht da ist. In Island ist sie mit 252 Hauptnamensträgerinnen der häufigste dieser Namen. Bei Yrsa ist die Bedeutung unsicher, die oft genannte „Bärin“ gilt als unwahrscheinlich. Brede ist ein norwegischer Name, dessen Bedeutung sich nicht sicher angeben lässt.
Auch „Yul“ wird gern als „Winter“ angeboten. Jól war das Mittwinterfest, nicht die Jahreszeit.
Ein Name begleitet ein Leben. Warum er mehr sein sollte als ein guter Klang, steht in Warum die Wahl des Kindernamens nicht nur oberflächlich sein sollte.
Die Namen auf einen Blick
| Name | Bedeutung | Herkunft | Bezug zum Winter |
|---|---|---|---|
| Snær | Schnee | altnordisch, Sagafigur | im Namen |
| Frosti | Frost | altnordisch, isländisch | im Namen |
| Drífa | Schneefall, Schneetreiben | altnordisch, isländisch | im Namen |
| Mjöll | Pulverschnee | altnordisch, isländisch | im Namen |
| Lumi | Schnee | finnisch | im Namen |
| Talvi | Winter | finnisch | im Namen |
| Eira | Schnee | walisisch | im Namen (nicht nordisch) |
| Skaði, Skadi | skaði: Schaden, Verlust (Herkunft unsicher) | altnordisch | Göttin des Winters |
| Ullr, Ull | Ruhm | urgermanisch, altnordisch | Gott der Ski und des Bogens |
| Sól | Sonne | altnordisch, isländisch | Licht |
| Lucia | die Leuchtende | lateinisch | Licht, 13. Dezember |
| Björn | Bär | altnordisch | keiner |
| Varg | Wolf | norwegisch | keiner |
| Svala | Schwalbe | altnordisch | keiner |
| Yrsa | unsicher | altnordisch | keiner |
| Brede | nicht gesichert | norwegisch | keiner |
Mehr Namen mit Bedeutung stehen in den 50 schönsten nordischen Namen.
Für Dezemberkinder: Licht statt Frost
Die Dunkelheit hatte im Norden ihren eigenen Kalender. Ýlir, der zweite Wintermonat, beginnt zwischen dem 20. und 27. November. Einen Monat später folgt in einer Zählung Jólmánuðr, der Julmonat, auch Mörsugur genannt. Das sind Näherungswerte, der alte Kalender kannte keine festen Daten.
Gegen die Dunkelheit hatten die Alten eine Göttin: Sól, die Sonne. Sie fährt auf einem Wagen mit zwei Pferden, Árvakr und Alsviðr, über den Himmel. Hinter ihr läuft der Wolf Sköll, und er wird sie einholen, so sagt es die Gylfaginning. Vorher gebiert sie eine Tochter, die nach Ragnarök ihren Weg weitergeht. Ihr Bruder Máni, der Mond, hat seinen eigenen Wolf. Mehr zu ihm steht bei den Vergessenen Göttern. Sól ist in Island ein zugelassener Mädchenname, 22 Namensträgerinnen führen ihn als Hauptnamen, 856 als zweiten.
Lucia ist kein nordischer Name. Sie bedeutet „die Leuchtende“ und kommt aus dem Lateinischen. Aber kein anderes Land hat ihr einen so nordischen Tag gegeben: den 13. Dezember. Vor der Kalenderreform des 16. Jahrhunderts war das der Tag der Wintersonnenwende. In Schweden geht an diesem Morgen ein Mädchen mit Kerzenkrone durch das Haus.
Wer das Fest selbst sucht, findet es in Odin reitet durch die Nacht – das nordische Herz von Weihnachten.
Ein Dezemberkind braucht erst einen Namen. Den Auftritt kann es später selbst übernehmen, oder gleich im Strampler, mit Helm, Schwert und Schild.
Im alten Island begann das Jahr mit dem Winter. Ein Name, der Schnee heißt, fängt also dort an, wo alles anfing.
FAQ
Welche Namen bedeuten „Winter“?
Im Namen selbst: Talvi (finnisch „Winter“), dazu Snær, Lumi und Eira für Schnee und Frosti für Frost. Skaði und Ullr tragen keine Winterbedeutung im Namen, sie sind Götter des Winters. Welcher davon zu dir passt, entscheidet der Klang.
Welcher Mädchenname bedeutet „Schnee“?
Lumi (finnisch), Eira (walisisch) und Drífa, das Schneetreiben. Mjöll bedeutet Pulverschnee. Mehr gibt der Schnee nicht her.
Was sind typisch nordische Namen?
Namen, die in den nordischen Ländern gebräuchlich sind und aus dem Altnordischen oder Finnischen kommen. Björn, Varg und Svala gehören dazu. Weitere stehen in den 50 schönsten nordischen Namen.
Was bedeutet Ýlir?
Ýlir ist der zweite Wintermonat im altisländischen Kalender, Beginn zwischen dem 20. und 27. November. Bei Snorri heißt er Frermánuðr. Manche Darstellungen verbinden Ýlir mit dem Julfest, die Kalenderquellen nennen als Julmonat Jólmánuðr. Das letzte Wort darüber ist nicht gesprochen.
Gibt es einen anderen Namen für Winter?
Im alten Island hatte jeder Wintermonat seinen eigenen: Gormánuður, Ýlir, Mörsugur, Þorri, Góa und Einmánuður. Þorri war nach den Sagas ein Sohn des Schnees.
Quellen
Primärquellen: Snorri Sturluson, Prosa-Edda (Gylfaginning, Skáldskaparmál). Lieder-Edda (Grímnismál, Vafþrúðnismál, Völuspá). Orkneyinga saga, Hversu Noregr byggðist (Flateyjarbók), Ynglinga saga.
Weiterführend: Nordic Names: Frosti · Svante Jonsson: Der altisländische Kalender · Wikipedia: Snær