Harald Hardråde: Der letzte Wikingerkönig und sein Ende 1066

Am 20. September 1066 gewinnt er eine Schlacht. Am 25. September trifft ihn vermutlich ein Pfeil in den Hals.

Fünf Tage liegen zwischen Sieg und Tod. Der Mann heißt Harald, und die Sagas nennen ihn den Harten.

Kurz gesagt: Harald Hardråde (auch Harald III., Harald Sigurdsson oder Hardrada, um 1015 bis 1066) war ab 1046 Mitkönig und von 1047 bis 1066 alleiniger König von Norwegen. Zuvor diente er in der Kiewer Rus und in der Warägergarde des byzantinischen Kaisers. Er fiel bei Stamford Bridge in England. Sein Tod gilt oft als Ende der Wikingerzeit. Das meiste über sein Leben wissen wir aus Sagas, die gut 160 Jahre später aufgeschrieben wurden, dazu aus einer byzantinischen Quelle und aus Skaldengedichten.

Wer war Harald Hardråde?

Harald wurde um 1015 in Ringerike in Norwegen geboren. Seine Mutter war Åsta Gudbrandsdatter, sein Vater der Kleinkönig Sigurd Syr. Sein Halbbruder war Olaf Haraldsson, der spätere Heilige Olaf.

Mit etwa fünfzehn Jahren kämpfte er 1030 bei Stiklestad auf Olafs Seite. Olaf fiel, Harald wurde schwer verwundet und floh über Schweden. Die Sagas lassen ihn von Harald Schönhaar abstammen. Ob das stimmt, ist umstritten.

Was tat er in Byzanz?

Ab 1031 stand Harald im Dienst von Jaroslaw dem Weisen in der Kiewer Rus. Um 1034 ging er nach Konstantinopel und stieg in der Warägergarde auf, der Leibwache des byzantinischen Kaisers. Wikipedia nennt als Einsätze Kämpfe gegen arabische Piraten, die Sizilien-Expedition von 1038 unter Georgios Maniakes und 1041 Kämpfe in Süditalien und gegen den bulgarischen Aufstand.

Beute ließ er zu Jaroslaw in die Rus schaffen. 1042 verließ er Konstantinopel, kehrte in die Rus zurück und heiratete Elisiv, die Tochter Jaroslaws.

Wie er Byzanz verließ, erzählen die Quellen verschieden:

Quelle Was sie sagt Einordnung
Heimskringla und Morkinskinna (isländische Sagas) Harald gerät in Haft und beteiligt sich an der Absetzung Michaels V. Er soll ihn geblendet haben. spät aufgeschrieben, die Blendung gilt als umstritten
Kekaumenos, byzantinischer Autor, 1070er-Jahre Harald diente dem Kaiser, bewährte sich in Sizilien und Bulgarien. Man ließ ihn nicht heimkehren, er entkam heimlich. Von Haft ist keine Rede. einzige erhaltene byzantinische Quelle, lobt ihn

Dieselbe Lebensphase kommt in beiden Quellen vor und sieht doch anders aus. Das ist das Muster des ganzen Artikels: Wer über Harald schreibt, schreibt aus einer Richtung.

Wie wurde er König von Norwegen?

1045 reiste Harald über Ladoga und die Ostsee nach Schweden. In Norwegen herrschte Magnus der Gute. 1046 einigten sich beide auf ein Mitkönigtum. Harald musste dafür die Hälfte seines Vermögens abgeben. Als Magnus 1047 starb, war er allein König.

Er führte ein königliches Münzmonopol ein und schuf eine Geldwirtschaft, die dem Außenhandel nutzte. Zugleich führte er von 1048 bis 1064 fast ununterbrochen Krieg gegen den Dänen Sweyn Estridsson. 1049 wurde dabei Hedeby zerstört. Nach der Schlacht bei Niså 1062 entkam Sweyn, 1064 schloss Harald Frieden und gab den Anspruch auf Dänemark auf.

Danach ging er gegen Aufständische im Binnenland vor: Nach Wikipedia ließ er Höfe niederbrennen und Menschen verstümmeln. Zu seinem Bild gehört beides, der Verwalter mit der Münze und der Herrscher, der Aufstände brutal beendet. Seinen Beinamen harðráði übersetzt man unterschiedlich, etwa als „streng“, „hart im Rat“ oder „rücksichtslos“.

Die Schiffe, mit denen er Küsten angriff, hatten wir an anderer Stelle beschrieben: Drachenboot und Drakkar.

Was geschah 1066 bei Stamford Bridge?

Im Januar 1066 starb Eduard der Bekenner, Harold Godwinson wurde König von England. Harald Hardråde erhob Anspruch auf den Thron, den er von Magnus übernommen haben wollte. Tostig, der Bruder Harold Godwinsons, bot ihm ein Bündnis an.

Im September landete Harald in Nordengland, nach Schätzungen mit 240 bis 300 Schiffen und 10.000 bis 15.000 Mann. Die Zahlen sind unsicher. Am 20. September schlug er bei Fulford die northumbrischen und merzischen Earls, York ergab sich am 24. September. Am 25. September überraschte ihn Harold Godwinson bei Stamford Bridge. Harald fiel, Tostig ebenfalls, und das norwegische Heer wurde weitgehend vernichtet.

Harold Godwinson hatte keine Zeit zum Ausruhen. Wenige Wochen später fiel er bei Hastings gegen Wilhelm von der Normandie.

Die Schlacht selbst erzählen die Quellen nicht gleich gut. Nach Wikipedia gilt die Darstellung in Haralds saga Sigurðarsonar als weniger zuverlässig als die angelsächsischen Berichte. Vermutlich übernahm Snorri Elemente der Schlacht von Hastings.

Der Krieger auf der Brücke: Quelle oder Legende?

Zwei englische Chroniken erzählen von einem einzelnen Norweger, der die Brücke über die Derwent hält. Nach der Angelsächsischen Chronik half ein Wurfspeer nichts. Ein Mann kam unter die Brücke und stach ihn unter dem Kettenhemd nieder. Heinrich von Huntingdon, der im 12. Jahrhundert schrieb, lässt ihn über vierzig Engländer erschlagen. Bei ihm stößt ein Mann aus einem Boot den Speer durch die Lücken im Brückenboden.

Einen Namen nennt keine der beiden Quellen. Das Fass, in dem der Angreifer oft schwimmt, steht in keiner von ihnen. Auch das Wort „Berserker“, unter dem man ihn heute sucht, steht in den Auszügen der Chroniken nicht. Ob die Szene so geschah, lässt sich nicht prüfen. Sie zeigt, wie schnell sich Geschichten an eine Schlacht heften. Die Sagas, aus denen wir sonst über Harald wissen, kennen sie nicht.

War er der letzte Wikinger?

„Der letzte Wikinger“ ist ein Etikett. Eine zeitgenössische Bezeichnung ist das nicht. Historiker setzen das Ende der Wikingerzeit gern ins Jahr 1066, aber das ist eine Konvention. Norwegen, Dänemark und Schweden waren zu diesem Zeitpunkt längst christliche Königreiche. Mehr zur Frage, was „Wikinger“ meint, steht in Waren die Wikinger Barbaren?.

Was wir über Harald wissen, kommt aus drei Richtungen. Snorri Sturluson, der Verfasser der Prosa-Edda, schrieb um 1230 die Heimskringla und darin die Saga über Harald. Er stützte sich auf die Morkinskinna und auf Skaldengedichte, von denen 92 Strophen in der Saga stehen. Die Grundzüge bestätigen zeitnahe Quellen wie Kekaumenos, Adam von Bremen und die Angelsächsische Chronik. Der Skalde Þjóðólfr Arnórsson zählt in seinen Versen 18 Schlachten und 80 Festungen. Das ist Dichtung, keine Statistik.

Weitere Gestalten, die man „berühmt“ nennt, finden sich im Artikel über die legendären Krieger der Wikinger und Germanenstämme. Und wer wissen will, wie weit die Legende um Ragnar von den Quellen entfernt ist, liest den Artikel über Ragnarr Loðbrók.

Fünf Tage lagen zwischen Sieg und Tod. Was von Harald bleibt, sind drei Erzählungen, die sich nur teilweise decken.

Häufige Fragen

Wer war Harald Hardråde?

König von Norwegen von 1046 bis 1066, Halbbruder Olafs des Heiligen. Er diente in der Kiewer Rus und in der Warägergarde in Byzanz und fiel 1066 bei Stamford Bridge.

Was bedeutet Harald Hardråde?

„Harald“ geht auf germanische Wörter für „Heer“ und „herrschen“ zurück, etwa „Heerführer“. Der altnordische Beiname harðráði wird unterschiedlich übersetzt, etwa „streng“, „hart im Rat“ oder „rücksichtslos“. Er stammt vermutlich aus den isländischen Sagas, die ihn erst später belegen.

Wie starb Harald Sigurdsson?

Harald Sigurdsson, so heißt Harald Hardråde nach seinem Vater, fiel am 25. September 1066 bei Stamford Bridge in England, vermutlich durch einen Pfeil in den Hals. Sein Heer wurde weitgehend vernichtet. Oft heißt es, viele Norweger hätten ihre schweren Kettenhemden auf den Schiffen gelassen. Das wird überliefert, ist aber nicht durch eine Quelle gesichert.

Wer war der Berserker von Stamford Bridge?

Das ist ein namenloser Krieger, von dem zwei englische Chroniken erzählen. Er soll die Brücke allein gehalten haben, bis ihn jemand von unten erstach. Ob es ihn so gab, ist offen. Mehr im Abschnitt zur Brücke oben.

Was war die Warägergarde?

Die Leibwache des byzantinischen Kaisers, in der Krieger aus dem Norden dienten. Harald stieg dort um 1034 auf.

Was bedeutet „der letzte Wikinger“?

Das ist ein modernes Etikett, keine zeitgenössische Bezeichnung. Sein Tod 1066 gilt oft als Ende der Wikingerzeit, aber das ist eine Konvention der Forschung.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026

Quellen

Harald Hardråde: Der letzte Wikingerkönig und sein Ende 1066

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